Die Bände: Erleben Sie den Anfang
Tauchen Sie ein in die fesselnde Welt von PROJEKT GENESIS. Hier präsentieren wir Ihnen einen exklusiven Einblick in den Prolog des ersten Bandes, "GROUND ZERO", und enthüllen den geheimnisvollen Ursprung einer Geschichte, die die Menschheit für immer verändern wird.
Prolog
Juni 1908 – Podkamennaja Tunguska, Zentralsibirien
Die Kälte der sibirischen Taiga war kein bloßer Wetterzustand. Sie war ein altes, bösartiges Lebewesen, das sich mit eisigen Krallen durch die dichten Schichten aus grobem Fell und gegerbtem Leder grub, um das Blut in den Adern gefrieren zu lassen. Khentej, ein Jäger vom Stamm der Ewenken, lag flach auf dem harten, unbarmherzigen Permafrostboden. Sein Atem entwich ihm in kurzen, flachen Stößen, die in der kristallklaren Luft sofort zu winzigen Eiswolken gefroren. Seit drei Tagen folgte er der Fährte eines kapitalen Hirsches durch diese grüne Hölle aus endlosen Kiefernwäldern und tückischen Mooren. Die Welt um ihn herum war ein stummes, archaisches Heiligtum, in dem nur das Gesetz des Stärkeren, des Ausdauernden galt. Nichts an diesem Morgen, an dem der Himmel in einem makellosen, harten Blau über den Baumwipfeln stand, deutete darauf hin, dass dieses Heiligtum in wenigen Minuten in einem Ozean aus Feuer und Asche vergehen würde. Dass hier, in der absoluten Isolation Zentralsibiriens, der Grundstein für das dunkelste Kapitel der Menschheitsgeschichte gelegt werden sollte.
Khentej spannte die Muskeln an. Sein Blick war auf das Unterholz gerichtet, etwa fünfzig Schritt voraus. Er spürte die Anwesenheit der Beute, noch bevor er sie sah. Doch bevor er seinen Speer heben konnte, veränderte sich etwas. Es war keine Bewegung im Wald. Es war eine fundamentale Verschiebung in der Realität selbst.
Zuerst verstummte der Wind. Es war ein plötzlicher, unnatürlicher Abbruch, als hätte eine unsichtbare Hand der Welt den Atem abgeschnürt. Die Vögel, die eben noch in den Wipfeln gerufen hatten, schwiegen schlagartig. Dann verfärbte sich das Licht. Das klare Blau des Morgenhimmels wurde von einem kränklichen, pulsierenden Violett durchdrungen. Schatten, die eben noch nach Westen gefallen waren, zuckten unruhig und begannen, sich in unmögliche Winkel zu verzerren, als würden gleich mehrere, unsichtbare Sonnen am Himmel stehen.
Der Ewenke hob den Kopf. Ein tiefes, knochenerschütterndes Vibrieren durchfuhr den Boden, ein Grollen, das nicht aus dem Erdinneren kam, sondern von oben herabdrückte. Khentej blinzelte gegen das unnatürliche Licht und starrte in den Himmel.
Die Atmosphäre riss auf.
Ein mechanisches, ohrenbetäubendes Kreischen zerschnitt die absolute Stille der Taiga. Es klang wie das Bersten von zehntausend Eisenbahnschienen, ein Geräusch, das in der natürlichen Welt nicht existieren durfte. Aus dem Riss im Himmel schälte sich eine Form. Es war kein Komet, kein Meteorit aus totem Gestein. Für den Bruchteil einer Sekunde, bevor das gleißende Licht ihn blind machte, erfasste Khentej die Silhouette eines gigantischen, zylindrischen Konstrukts. Die Oberfläche dieses Monolithen schien zu leben, überzogen von Fraktalen und geometrischen Mustern, die sich weigerten, eine feste Form anzunehmen. Dunkle, metallische Adern pulsierten auf der Hülle, pumpten gewaltige Energiekaskaden aus, während das Objekt in einem rasenden Trudeln der Erde entgegensank. Es kämpfte. Unsichtbare Gegenkräfte bäumten sich auf, versuchten den Absturz abzufangen, rissen gigantische Löcher in die Wolkendecke, doch das Gravitationsfeld der Erde hatte das Relikt längst in seinen gnadenlosen Griff genommen.
Das Objekt durchbrach die unteren Luftschichten. Die Hitze, die es ausstrahlte, ließ die Feuchtigkeit in der Luft augenblicklich verdampfen. Khentej riss den Mund auf, um zu schreien, doch in seinen Lungen war keine Luft mehr. Die Temperatur stieg innerhalb von Sekunden auf ein unerträgliches Maß. Die Rinde der Kiefern um ihn herum begann, schwarze Blasen zu werfen und sich kräuselnd abzulösen.
Dann traf das Konstrukt auf den Planeten.
Es gab keinen sofortigen Knall. Es gab nur eine absolute, alles verschlingende Leere. Ein Vakuum, in dem Zeit und Raum für einen Wimpernschlag stillzustehen schienen. Der Boden unter Khentej bäumte sich in einer massiven Welle auf.
Dann folgte die Druckwelle.
Eine Wand aus überhitztem Plasma und zersplitterter Materie dehnte sich mit Überschallgeschwindigkeit aus. Achtzig Millionen Bäume – jahrhundertealte Giganten der Taiga – wurden in einem Radius von unzähligen Kilometern im Bruchteil einer Sekunde geknickt, entkernt und zu brennenden Streichhölzern degradiert. Die Wucht der Detonation packte den Jäger, riss ihn wie ein welkes Blatt in die Luft und schleuderte ihn durch das Flammeninferno. Die Welt explodierte in einem reißenden Strudel aus Rot und Schwarz. Das Gebrüll der Vernichtung zerschmetterte Khentejs Trommelfelle. Knochen brachen, Haut versengte, während er in die aufkochende Dunkelheit stürzte.
Als das Bewusstsein schmerzhaft in seinen geschundenen Körper zurückkehrte, regnete es vom Himmel. Doch es war kein Wasser. Es war tiefschwarze, heiße Asche, die sich wie ein Leichentuch über die Erde legte.
Khentej würgte und spuckte dickes, mit Ruß vermischtes Blut auf den glühenden Boden. Jede Bewegung war eine Agonie, die ihm Tränen in die Augen trieb. Ein schwerer, verkohlter Ast lag auf seinen Beinen. Mit dem reinen, instinktiven Überlebenswillen eines Tieres schob er das Holz beiseite und zog sich mühsam auf die Knie. Der Gestank war bestialisch – eine widerwärtige Mischung aus verbranntem Holz, kochendem Harz und einem scharfen, metallischen Ozon-Geruch, der in der Nase brannte und einen metallischen Geschmack auf der Zunge hinterließ.
Er blinzelte durch die dichten Rauchschwaden. Die vertraute Taiga war verschwunden. Wo sich eben noch ein endloser Wald erstreckt hatte, lag nun ein apokalyptisches Ödland. Ein flaches Meer aus zersplitterten Stämmen, die alle strahlenförmig von einem zentralen Punkt wegzeigten, dem Epizentrum des Grauens. Der Himmel war von einem dichten, rot glühenden Wolkenschleier verdunkelt, der die Sonne aussperrte.
Khentejs Gehör bestand nur noch aus einem schrillen, konstanten Fiepen. Doch unter diesem Phantomgeräusch lag etwas anderes. Ein tiefes, unregelmäßiges Pochen. Es war kein mechanisches Geräusch. Es fühlte sich an wie ein Herzschlag, der durch den verglasten Boden direkt in seine Knochen übertragen wurde. Eine morbide, unnatürliche Faszination zwang ihn, sich aufzurichten und taumelnd auf das Zentrum der Zerstörung zuzuhalten. Seine zerrissenen Stiefel knirschten auf dem Boden, der nicht mehr aus Erde, sondern aus einer spiegelglatten, schwarzen Glasschicht bestand. Der Permafrost war durch die schiere Hitze des Aufpralls kristallisiert.
Nach quälenden Minuten des Stolperns durch den glühenden Ascheregen erreichte er den Rand des Kraters. Die Ausmaße waren gigantisch, ein gewaltiges, schwarzes Auge, das in die zerstörte Erde gebrannt war. Und in der Mitte dieses Kraters ruhte der Kadaver der Maschine.
Die Hitze, die von den Trümmern aufstieg, ließ die Luft flimmern und verzerrte die Konturen. Es war ein Berg aus zerrissenem, fremdartigem Metall, das in Winkeln verbogen war, die dem menschlichen Verstand trotzten. Nichts an diesem Material war irdisch. Es war makellos, ohne Nieten oder Schweißnähte, und es glomm in einem schwachen, inneren Licht. Aus einem massiven, gezackten Riss in der primären Rumpfstruktur der Maschine sickerte eine Substanz.
Sie war flüssig, doch sie floss nicht wie Wasser. Sie bewegte sich fast zähflüssig, kroch über das heiße Metall und tropfte auf den verglasten Boden. Sie leuchtete in einem intensiven, kränklichen Violett und schien mit dem Licht der Umgebung zu reagieren. XERUM. Wo die hochradioaktive Materie das schwarze Glas berührte, fraß sie sich fauchend in den Boden. Es war keine bloße Säure. Khentej sah mit aufgerissenen Augen, wie das XERUM auf molekularer Ebene mit der toten Asche reagierte. Mikroskopische, wurzelartige Strukturen zuckten auf, pulsierende Fäden aus purer Energie, als würde die Flüssigkeit den elementaren Bausteinen der Materie eine neue, unnatürliche DNS aufzwingen. Es war Schöpfung und Vernichtung in einem einzigen, blasphemischen Akt.
Khentej wich zurück. Sein Verstand, geprägt von den Geistern der Natur und den alten Göttern der Taiga, weigerte sich, das zu akzeptieren, was er sah. Er wollte umdrehen, wollte rennen, bis seine Lungen platzten, doch seine Beine gehorchten ihm nicht.
Ein feuchtes, schmatzendes Geräusch drang durch das Knistern der Flammen.
Aus den Eingeweiden der zerstörten Maschine, direkt aus dem Zentrum des zerrissenen Zylinders, schob sich eine Masse. Sie war nicht mechanisch. Sie war biologisch, doch sie glich nichts, was auf dieser Erde geboren worden war. Es war eine asymmetrische, fleischige Form, durchzogen von silbrigen, metallischen Nervensträngen, die im Takt des pochenden Herzschlags pulsierten. Das Wesen zog sich mühsam über die scharfen Kanten der Trümmer, hinterließ eine Spur aus dunklem Sekret, das zischend mit dem auslaufenden XERUM verschmolz. Die Kreatur besaß keine klaren Gliedmaßen, keine Augen, kein erkennbares Gesicht. Ihre Konturen verschoben sich stetig, die zelluläre Struktur schien in einem endlosen, qualvollen Prozess zu versuchen, sich an die fremde Schwerkraft, die Temperatur und die Zusammensetzung der Erdatmosphäre anzupassen.
Es war eine Entität, die die unvorstellbare Leere zwischen den Sternen überdauert hatte. Sie atmete nicht, doch sie lebte.
Khentej fiel hart auf die Knie. Das Wesen hielt inne. Obwohl es keine Sinnesorgane besaß, spürte der Jäger, dass es sich ihm zuwandte. Eine eiskalte, absolut fremdartige Präsenz drang in seinen Geist ein. Es war keine Stimme, es war ein stummer, telepathischer Druck, der seine Gedanken sezierte, seine Erinnerungen wie alte Buchseiten umblätterte und ihn als das erkannte, was er in den Augen dieser Intelligenz war: primitives, formbares Rohmaterial.
Der Bann wurde durch das harsche Peitschen eines Kommandos gebrochen.
Der Boden erbebte erneut, diesmal nicht durch kosmische Kräfte, sondern durch den dumpfen Hufschlag schwerer Pferde. Aus dem dichten, grauen Aschestaub, der wie eine Mauer um den Krater stand, brachen Reiter hervor. Sie kamen nicht zaghaft, sie ritten in einer perfekten, todbringenden Keilformation. Die Schwerter waren gezogen, die schweren Mosin-Nagant-Gewehre im Anschlag. Es war eine kaiserliche Kosakenpatrouille, doch ihre Präzision und ihre Kälte verrieten, dass sie weit mehr waren als einfache Grenzsoldaten.
Der Rittmeister an ihrer Spitze riss sein nachtschwarzes, schaumbedecktes Pferd brutal zurück, als er den Rand des Glaskraters erreichte. Rittmeister Nikolai Wolkow trug den Wappenrock des Zaren, aber seine Uniform war frei von den üblichen Insignien. Sein hartes, kantiges Gesicht zeigte keinerlei Regung. Sein Blick fiel nicht auf den kauernden, blutenden Ewenken. Er ignorierte die unfassbare Zerstörung um sich herum vollends. Seine stahlblauen Augen fixierten sofort die geschmolzene Maschinerie und die zuckende, biologische Anomalie. In seinen Augen lag kein Entsetzen, keine Ehrfurcht. Dort lag nur das eiskalte Kalkül eines Mannes, der Instruktionen ausführte, die weit über den Horizont seines Herrschers hinausgingen.
„Sichern!“, bellte Wolkow auf Russisch. Seine Stimme zerschnitt die aschegeschwängerte Luft wie eine Klinge. „Bleinetze über das Objekt. Jeder Kontakt mit der auslaufenden Flüssigkeit ist strikt untersagt.“
Die Soldaten sprangen wortlos aus den Sätteln. Ihre Gesichter waren fahl, gezeichnet von einer eisigen Disziplin, die den Instinkt zu fliehen unterdrückte. Sie zogen extrem schwere, mit Blei durchwirkte Netze und Planen von den Flanken ihrer Packpferde. Ohne zu zögern, ohne ein Wort zu wechseln, näherten sie sich dem Krater. Die Hitze sengte ihnen Haare und Augenbrauen weg, doch sie hielten Kurs. Als das erste Blei Netz über die zuckende Masse geworfen wurde, stieß die Kreatur einen Frequenzlaut aus, der so hoch und durchdringend war, dass Khentej Blut aus den Ohren schoss.
Das Wesen bäumte sich auf, metallische Fäden rissen, dunkles Sekret spritzte auf das Glas, doch die schiere Masse der Männer und die erbarmungslose Schwere des Bleis zwangen es nieder. Es schlug wild um sich, deformierte seine Struktur, aber die Kosaken zogen das Netz gnadenlos zu, bis die Kreatur unter der Last am Boden fixiert war.
Wolkow stieg langsam und bedächtig ab. Er strich sich den Ruß vom Mantel und trat an den Rand der zersplitterten Trümmer. Er stand nur wenige Zentimeter von dem Riss entfernt, aus dem das XERUM sickerte. Behutsam, fast andächtig, zog er einen massiven, versiegelten Stahlzylinder aus der Innentasche seines Mantels. Er hielt den Zylinder unter die tropfende Kante und ließ exakt drei Tropfen der violetten Substanz in das Innere fallen. Er verschloss das Gefäß mit einem lauten, mechanischen Klicken, das in der relativen Stille wie ein Donnerschlag nachhallte.
Erst jetzt wandte er sich um. Sein Blick traf Khentej.
Der Jäger saß im Ruß, zitternd, blutend, unfähig, den Blick abzuwenden. In Wolkows Augen sah er sein eigenes Todesurteil. Er wusste in diesem Moment, dass er ein Relikt war. Ein störender, unautorisierter Zeuge auf einer Bühne, die gerade für ein globales, unsichtbares Theaterstück aufgebaut wurde.
Wolkow nickte einem seiner Kosaken kaum merklich zu.
Der Soldat trat lautlos hinter den Ewenken und hob das Gewehr.
„Die Zone wird in einem Radius von zweihundert Kilometern hermetisch abgeriegelt“, sagte Wolkow leise und zog ein ledergebundenes Notizbuch hervor, um die exakten Koordinaten, die Temperatur des Glases und das Verhalten des XERUM zu protokollieren. Es war das allererste Dokument der totalen, globalen Vertuschung. „Die offiziellen Depeschen werden von einem Kometeneinschlag sprechen. Kein Wort dringt nach draußen. Dies ist erst der Anfang der Ernte.“
Ein einzelner Schuss brach die Stille der Taiga.
Khentejs Körper fiel schlaff nach vorn und schlug hart auf die schwarze Asche auf. Sein Blut sickerte in den geschmolzenen Permafrost, während über ihm der Schatten einer Maschinerie niederging, die in wenigen Stunden eintreffen würde.
Bis zum Einbruch der Dunkelheit war das Epizentrum von einem provisorischen, schwer bewachten Militärlager umschlossen. Hunderte von hastig per Zug herangebrachten Soldaten der kaiserlichen Leibgarde bauten schwere Hebevorrichtungen auf, um die Trümmer aus dem Krater zu wuchten. Sie arbeiteten unter den Befehlen von Männern in Schutzanzügen, die keine militärischen Ränge trugen. Die Ausfallrate unter den Arbeitern war katastrophal. Wer dem XERUM oder der Strahlung des zentralen Reaktors – jener Kernstruktur, die später die Blaupause für die ominöse "Glocke" liefern sollte – zu nahe kam, kollabierte. Die Haut der Männer warf Blasen, Bluthusten setzte ein, und in einigen Fällen mutierte die zelluläre Struktur der Betroffenen so rapide, dass sie noch an Ort und Stelle erschossen und verbrannt werden mussten.
Gegen Mitternacht trat ein hochgewachsener, blonder Mann in einem unauffälligen, makellosen grauen Anzug an den Rand der Ausgrabung. Er trug eine runde Nickelbrille und beobachtete das Sterben der Soldaten mit völliger Teilnahmslosigkeit. Er war ein Deutscher. Ein Beobachter jener elitären, okkulten Zirkel, aus denen Jahrzehnte später die Thule-Gesellschaft und das Ahnenerbe hervorgehen sollten. Sein Name war von Schirach.
Wolkow trat schweigend neben ihn, den Stahlzylinder fest in der Hand.
„Die biologische Komponente ist in einem Bleisarkophag versiegelt, Herr von Schirach“, rapportierte der Rittmeister. „Die Antriebskomponenten werden in Säurebäder eingelegt, um die Strahlung zu dämmen.“
Von Schirach nickte langsam, sein Blick haftete auf den funkelnden Resten des XERUM im Krater. „Sie haben effizient gearbeitet, Rittmeister. Ihr Zar wird die Tragweite dieses Fundes nicht begreifen. Er sieht darin vielleicht eine neue Sprengkraft, eine stärkere Kanone für seine Kriege. Aber dieses Material erfordert Visionäre. Männer, die begreifen, dass der Lauf der Geschichte ab heute nicht mehr durch Politik, sondern durch Biologie diktiert wird.“
„Mein Gehorsam gilt dem Mutterland“, antwortete Wolkow eisig und emotionslos.
„Das Mutterland ist ein sterbendes, abstraktes Konzept“, erwiderte der Deutsche mit einer absoluten, erschreckenden Gewissheit. Er wandte sich Wolkow zu, und in seinen Augen lag eine mathematische, kalte Klarheit. „Was wir hier heute aus der Asche bergen, ist der Roh Code der Schöpfung. Es wird die Machtverhältnisse der nächsten Jahrtausende definieren. Es wird Bündnisse erfordern, die weit über nationale Grenzen und Kriege hinweg existieren. Wer die DNS kontrolliert, die in dieser Entität verborgen liegt... kontrolliert die Weltgeschichte.“
Wolkow antwortete nicht. Er wusste, dass der Deutsche recht hatte. In dieser Nacht, umgeben von radioaktiver Asche und dem Gestank nach verbranntem Fleisch, wurde der Grundstein für ein Netzwerk gelegt, das im Verborgenen Regierungen lenken, den Kalten Krieg inszenieren und die Menschheit als gigantisches Versuchslabor nutzen würde.
Er öffnete sein Notizbuch ein letztes Mal. Unter die präzisen Koordinaten und die Skizze des geborgenen Reaktors schrieb er mit ruhiger, gestochen scharfer Handschrift.
Das Tunguska-Protokoll ist hiermit initiiert.
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